Do It Yourself Energiewende
Das Ziel von diesem Projekt ist eine Energiewende, die von uns Bürgern ausgeht und dezentral organisiert ist. Dazu wollen wir Fachvorträge, Workshops und Stammtische zu Themen wie nachhaltige Energieerzeugung und Möglichkeiten zum Energiesparen organisieren, bei denen das vorhandene Wissen in der Gemeinschaft geteilt und ein offener Austausch geschaffen wird.
Unter dem Begriff Energiewende versteht man einen alternativen, sauberen, bezahlbaren, sicheren und nachhaltigen Weg, Energie zu erzeugen und zu nutzen. Das bedeutet die Abkehr von der traditionellen Strom- und Wärmeerzeugung durch fossile Brennstoffe und Atomkraft und ein Hin zu erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Umfasst sind dabei die drei Sektoren Strom, Wärme und Mobilität. Der Begriff wurde im Buch "Energiewende – Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran" geprägt, welches das deutsche Öko-Institut im Jahr 1980 herausgebracht hat.
Warum ist eine Energiewende entscheidend für das Erreichen der Klimaziele?
Jeder von uns emittiert im Schnitt 12 Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr. Um das 2 Grad-Klimaziel zu erreichen, steht jedem von uns im Jahr 2040 nur noch rund 1 Tonne CO2 zu, sprich bis dahin müssen wir unseren Ausstoß um ca. 90% senken. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es 3 Strategien, die gemeinsam umgesetzt werden müssen:
- Veränderung des persönlichen Lebensstils - auch hier ist Energie entscheidend, weil diese fast überall benötigt wird
- Umstellung auf 100% erneuerbare Energien
- Höhere Energieeffizienz
1.) Lebensstil
Christof Drexel beschreibt in seinem sehr empfehlenswerten Buch "Warum Meerschweinchen das Klima retten" ausführlich, wie der persönliche Lebensstil optimiert und dadurch ca. 4 Tonnen CO2 eingespart werden können. Das Spannende dabei ist, dass ein nachhaltigeres Verhalten sogar oft mehr Lebensqualität bedeuten kann. Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Empfehlungen, unterteilt in 7 Kategorien:
1. Ernährung
- So pflanzlich, regional, saisonal und naturnahe produziert wie möglich
2. Mobilität
- Wo geht ohne Auto, wenn Auto dann elektrisch, klein und ideal als Fahrgemeinschaft oder als Shared Car
3. Urlaub
- Campen und Wandern statt Kreuzfahrt und Cluburlaub
4. Freizeit, Sport und Haustiere
- Keines oder kleines Haustier statt einem Riesenhund oder Pferd
- Nützliche Hobbys wie Heimwerken, Reparieren oder sich nützlich in der Gesellschaft einbringen (Makerspace!)
- Energiearme Sportarten wie Radfahren oder Joggen
5. Konsum
- Upcycling
- Secondhand-Kleidung und/oder mit einem Ökolabel
- Langlebig und nachhaltige erzeugte Produkte aus Österreich oder zumindest Europa
- Nicht mehr benötigte Produkte weitergeben oder upcyclen
- Bewusst und sparsam einkaufen
- Anzahl elektrischer Geräte reduzieren
6. Haushaltsstrom
- Öko-Strom und zusätzlich eigenen Strom erzeugen
- Energieeffiziente Geräte und Beleuchtung
- Standby-Modus ausschalten
7. Bauen und Wohnen
- Sich bewusst nur jene Fläche leisten, die man wirklich braucht (Tiny Home-Trend)
- Möglichst geringer Energiebedarf (ideal 15 kWh pro m² im Jahr)
- Mehrfamilien- statt Einfamilienhaus
- Holzleichtbauweise statt Massivbau
- Lange Lebensdauer der Materialien
- In einem gut erschlossenen Gebiet wohnen oder bauen, um die Mobilität zu reduzieren oder zu vereinfachen
Nicht außer Acht zu lassen ist der Effekt von nachhaltigen (grünen) Geldanlagen. Wenn wir Bürger z.B. unser Geld nur noch bei Banken anlegen, die nachhaltigen Projekten einen Kredit geben, dann würde das im System einiges ändern. Und ein sehr wichtiger Baustein der Energiewende ist natürlich auch der Druck auf Entscheidungsträger wie Politik und Interessensverbänden, damit diese die Anliegen wirklich ernst nehmen und bei ihren Entscheidungen Klimaschutz ganz nach oben stellen
2.) Erneuerbare Energien
Ein weiteres 1/3 ist durch die Umstellung der Strom- und Wärmeerzeugung auf erneuerbare Energien möglich. Erneuerbare Energien bieten hier den großen Vorteil, dass die Erzeugung dezentral passieren kann. Fast jeder Bürger kann einen Teil seiner benötigten Energie heutzutage selbst in die Hand nehmen mit Photovoltaik, Solar, Erdwärme, Biomasse, Wärmepumpen, Kleinwindkraft und entsprechenden Speichersystemen.
3.) Effizienz
Der Rest muss durch eine höhere Effizienz im System erreicht werden, wie z.B. Optimierung von industriellen Verfahren oder verpflichtende Kreislaufwirtschaft.
Zusammenfassung des Vortrages von Markus Wurzer vom 08.11.2022
Erneuerbare Energiegemeinschaften
Das Projekt "Do It Yourself Energiewende" hat ein klares Ziel: Eine Energiewende anstoßen, die von den Bürgern ausgeht. Initiiert wurde das spannende Projekt im September 2022 von Markus Wurzer (Kooperative Nachhaltige Zukunft aus Wieselburg) gemeinsam mit Günther Sterlike (MakerSpace Amstetten). Bei allmonatlichen Fachvorträgen, Workshops oder Stammtischen zu Themen wie nachhaltiger Energieerzeugung oder Energiesparen soll das vorhandene Wissen in der Gemeinschaft geteilt und ein offener Austausch geschaffen werden.
Beim dritten Stammtisch am 26. Jänner 2023 in Amstetten drehte sich alles um erneuerbare Energiegemeinschaften. EnergyFamily Gründer Lukas Prenner startete seinen Kurzvortrag vor 30 höchst interessierten Besuchern mit der Frage "Warum Energiegemeinschaften?" Die Vorteile sind klar: Sparen, Unabhängigkeit, Nachhaltigkeit und Regionalität sind gute Gründe, die für Energiegemeinschaften sprechen. Aber warum gibt es dann noch nicht mehr davon?
Lukas Prenner: "Das liegt vor allem an den offenen organisatorischen, rechtlichen und steuerlichen Fragen, den vielen bürokratischen Schritten bei der Gründung und der komplexen Abrechnung. Die EnergyFamily-Webplattform ist unsere Lösung, mit der Energiegemeinschaften mit wenigen Mausklicks gegründet, verwaltet und abgerechnet werden können. Ein starkes Netzwerk mit Dienstleistern aus den relevanten Bereichen hilft darüber hinaus, alle Fragen rund um Energiegemeinschaften zu klären."
Das Unternehmen aus Euratsfeld arbeitet aber auch an der optimierten Nutzung von nachhaltig erzeugter Energie dank genauer Vorhersage von Produktionsleistungen mit Hilfe von Satellitendaten und AI-basiertem, prädiktivem Energiemanagement. Abschließend wurde noch gezeigt, wie Familien, Gemeinden, Unternehmen und Nutzer von E-Mobilität von Energiegemeinschaften profitieren können.
Ein weiterer spannender Kurzvortrag von Eva Zirkler von der GDA (Gemeinde Dienstleistungsverband Region Amstetten) beleuchtete die "EEG, Klima- und Energiemodellregion Amstetten". Abschließend gab es bei Snacks und Erfrischungen noch genügend Zeit für Austausch und Networking.
Der nächste Stammtisch findet am 1. März 2023 wieder in Amstetten statt.